Barfußlaufen

... so ich habe mein erstes Barfußseminar beendet und bin etwas zwiegespalten danach.

Zum einen waren mir viele Dinge bereits bekannt und teilweise war ich auch ganz anderer Ansicht als die Trainer dort ,zum anderen gab es teilweise wirklich gute Praxistipps, die ich sicher auch demnächst in mein Training einfliessen lasse. ....

Und so war der Tag:
Morgens vor dem theoretischen Teil mussten alle Teilnehmer mit ihren Laufschuhen, die sie auch sonst laufen auf das Laufband.

Hier konnten wir überwiedend das typische Laufbild beobachten: Der Fersenläufer mit weitem Schritt nach vorne. Auf meine Frage inwieweit das Laufen auf dem Laufband das Gangbild beeinflusst, war die Antwort: dass das keinen oder nur wenig Einfluss habe.

Ich persönlich halte von Analysen auf dem Laufband nicht viel, da dies für viele Läufer ungewohnt ist und sie sehr unsicher laufen. Was auch teilweise zu beobachten war.

Danach folgte ein theoretischer Block, in dem einmal die Geschichte des Laufens besprochen wurde und auch die Biomechanik des Laufens. Interessant fand ich die Geschichte des Joggens. Und wie das mit der hohen Sprengung bei Laufschuhen begonnen hat.

Kontrovers wird und wurde schon immer diskutiert was nun gelenkschonender ist, mit vollgedämpften Schuhen oder mit möglichst wenig Dämpfung zu laufen.

Ich glaube bei Beidem kann man sagen " in der Dosis liegt das Gift" wie bei vielen anderen Dinge des täglichen Lebens ja auch ;-). Völlig ohne Dämpfung bzw barfüssig zu joggen, verlagert die Pobleme meiner Meinung nach nur. Vom Knie zum Mittelfuss oder zur Achillessehne. Das Knie wird mehr geschont dafür aber der Mittelfuss und die Achillessehne stärker gefordert.

Gefehlt hat mir in dem Seminar ein wenig der Fokus auf die Wadenmuskulatur. Hierüber wurde garnicht gesprochen. Ich denke es ist elementar wichtig gerade zum Schutz der Achillessehne eine gescheite Kräftigung aber auch Dehnung der Waden in sein tägliches Training zu integrieren, wenn man seinen Laufstil zum barfüssigen laufen umstellen möchte.

Barfuss gehen ist sicherlich eine tolle und sinnliche Erfahrung aber sofort barfuss oder mit Barfußschuhen los zu joggen birgt schon einige Gefahren.

Es wurde auch eindringlich darauf hingewiesen, dass der Umstieg zum barfüßigen Joggen langsam zu erfolgen hat und ca 18 Monate dauert bis sich Sehnen und Gelenke an die andere Belastung gewöhnt haben. Pelle,der Trainer, hat ganz klar gesagt, dass er nicht zum barfuß joggen missionieren will und dass es auch nicht für jeden sinnvoll ist. Ebenfalls hat er darauf hingewiesen, dass der Schmerz dein bester Freund ist. Wenn du bei irgendetwas Schmerzen hast, sagt dir Dein Körper STOP lass es sein. Der Trend auch im Breitensport Wettkämpfe unter Einnahme von Schmerzmitteln zu bestreiten kann u.U. lebensgefährlch sein. Den Hinweis fand ich gut.

Nachmittags dann der praktische Teil. Wir haben in verschiedenen Übungen trainiert wie der Schritt beim barfuß laufen zu erfolgen hat.

Dann haben wir Toega Übungen gemacht. Dies Verbessert die Mobilität, Flexiblität und Kraft der Knöchel, Füße und Zehen.

Wir sind barfuss vor die Tür gegangen und haben mit Pierre das barfuss Gehen geübt. Eine echte Entschleunigung im Alltag. ...ist mir etwa schwer gefallen. 😬
Nehme ich aber auf jeden Fall mit !!

Zum Abschluss dann nochmal aufs Laufband, diesmal aber barfuß um Vorher /Nachher Videos zu sehen. Hier muss ich deutlich sagen , dass der Vergleich absolut hinkte.

Alle Teilnehmer hatten ihr Schrittbild verändert und waren auf dem Mittelfuss. Die Einzigen bei denen keine große Veränderung zu sehen war, waren die Teilnehmer die schon im ersten Video mit Barfusslaufschuhen gelaufen waren oder die Teilnehmer die den Mittelfusslauf schon beherrschten.

Es ist meiner Meinung nach logisch, dass diese Veränderung zu sehen ist, weil das Schrittbild mit Laufschuhen ein ganz anderes ist als barfüßig.Barfuss läufst du instinktiv auf dem Ballen. Das hatte jetzt meiner Meinung nach nur maginal mit dem Coaching des Tages zu tun. Was jetzt nicht bedeuten soll, dass ich das Coaching schlecht fand.

Auch der Hinweis, dass eine Schrittfrequenz von 180 Schritten in der Minute anzustreben ist fand ich etwas überzogen. Eine 180 er Schrittfrequenz ist für den Durchschnittsläufer nur schwer zu realisieren. Auf dem Laufband ist das sicherlich einfacher. Ich hatte beispielsweise direkt eine 180 iger Schrittfrequenz bei 10 km/h , ich war allerdings die Einzige. Im normalen Training bewege ich mich nicht ständig bei 180 sondern bin eher etwas darunter, ausser wenn ich explizit darauf achte und mit Metronom laufe.

--kann man übrigens mal gut machen um an der Schrittfrequenz zu arbeiten, mit Metronom laufen--

Ausserdem wurde nicht darauf eingegangen, dass der Schritt zwar vorne kurz sein soll aber irgendwie ja auch die Schrittlänge entstehen muss. (Geschwindigkeit entsteht nunmal aus Schrittlänge und Schrittfrequenz) Der Schritt muss nach hinten raus lang sein und nicht hoch. Ich finde, wenn ich schon auf ein Laufband gehe muss ich das zumindestens ansprechen. Genauso wie die Armhaltung, die bei einigen wirklich eine Katastrophe war. Armhaltung und Beinbewegung haben einen direkten Zusammenhang, das sollte man als Coach wissen und auch weitergeben, weil das eine Stellschraube ist die sich ziemlich leicht verändern lässt.
Wenn du beispielsweise mit einem langen Pendel, also herunterhängenden Armen läufst, wird es schwierig mit einer 180 iger Schrittfrequenz, weil sich die Beine immer nur so schnell bewegen können wie die Arme. Kann man selber auch einmal ganz gut ausprobieren.

Na ja... alles in allem war es ein interessanter Tag mit netten Leuten und auch netten Coaches. Natürlich habe ich auch etwas für mich mitgenommen und meinen Horizont erweiter.

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Kommentare: 1
  • #1

    Mia (Dienstag, 06 August 2019 15:17)

    Wann ist der nächste Kurs